Möglichkeiten und Grenzen von Kinderhoroskopen

Interview mit Verena Bachmann
(Tages-Anzeiger Regional vom 23.1.2006)

Frage: Ist das Erstellen von Kinderhoroskope eine Glaubenssache?
V. Bachmann: Astrologie ist keine Glaubensfrage. Sie kann auch nicht konkret Dinge vorhersagen. Ernst nehmen kann man individuell gedeutete Horoskope, wenn sie von einer kompetenten Fachperson erstellt worden sind. Sie sollten auf die genaue Geburtszeit und den Geburtsort des Kindes berechnet werden. Es ist zudem wichtig, keine festlegenden Aussagen über das Kind zu machen, sondern vielmehr seine Grundnatur und die damit verbundenen Bedürfnisse und Verhaltensweisen zu beschreiben. 

Frage: Steht diese Aussage nicht im Widerspruch zu den hier von Ihnen veröffentlichen Kinderhoroskopen?
V. Bachmann: Diese Texte sind recht allgemein abgefasst. Sie beschreiben nicht das einzelne Kind, sondern die astrologischen Gemeinsamkeiten der in der jeweiligen Woche geborenen Kinder. Abgesehen vom Mond und dem sehr individuellen Aszendenten, verändern sich die Gestirnsstände und die damit verbundenen Muster während einer Woche nur wenig. Entsprechend ist es durchaus möglich, gewisse Grundthemen zu beschreiben – allerdings wird das einzelne Kind je nach Geburtsort und Zeit, diese in anderer Form und auch in einem anderen Kontext zum Ausdruck bringen. 

Frage: Ist es nicht gefährlich, für ein Neugeborenes oder ein noch kleines Kind Aussagen zu machen?
V. Bachmann: Gefahr besteht dann, wenn diese Aussagen festlegend sind, wenn sie nicht der Psyche und Entwicklung eines Kindes gerecht werden, sondern vorgeben genau beschreiben zu können ‚wie das Kind ist und was es erlebt’. Jede Konstellation kann sich ganz verschieden manifestieren. Diese Unterschiede sind bedingt durch das Umfeld, die genetischen Grundlagen und die astrologisch ebenfalls nicht erfassten, tieferen Ebenen der Persönlichkeit eines Menschen. Wenn Bezugspersonen und Erzieher ein Horoskop als absolute Wahrheit betrachten und ihr Kind nur noch durch diese Brille sehen, anstatt als eigenständiges Wesen, dem achtsam und sorgfältig begegnet werden soll – dann ist es gefährlich. 

Frage: Das klingt doch sehr beliebig. Warum sollte man dann überhaupt ein Horoskop erstellen lassen?
V. Bachmann: Ein kompetent erstelltes Horoskop kann den Eltern dabei behilflich sein, ihr Kind und sein Verhalten zu verstehen sowie sie in ihrer Erziehungsaufgabe zu unterstützen. Jeder Mensch neigt dazu, andere so zu behandeln wie es seinem eigenen Wesen entspricht. Eltern, die für ihr Kind das Beste wollen, werden ihm also genau so begegnen wie sie dies selbst wünschten. Wenn die Eltern jedoch eine andere (astrologische) Natur besitzen als ihr Kind, wird ihr Bemühen oft nicht das erhoffte Resultat zeigen. Das Kind mag dann auf wohlgemeinte Verhaltensweisen in einer Art reagieren, die für die Eltern nicht nachvollziehbar ist. Ein Kinderhoroskop kann hier eine Hilfe darstellen, indem es die Grundbedürfnisse und spezifischen Verhaltensmuster eines Kindes beschreibt und Hinweise dafür gibt, wie diesen konstruktiv begegnet werden kann. Kinderhoroskope erlauben also ein vertieftes Verständnis für ein Kind und sein Wesen – vorausgesetzt, sie werden als Werkzeug genutzt und mit der eigenen Beobachtung verglichen – und nicht als festlegende Wahrheit gesehen. 

Frage: Was ist von Computerhoroskopen zu halten?
V. Bachmann: Auch für diese gilt das oben Gesagte. Wenn sie nicht einfach verschiedene Einzelinformationen aneinanderreihen, sondern die vorhandenen Konstellationen in einen Zusammenhang bringen, Schwerpunkte herausheben und Widersprüche in eine Synthese bringen, können sie sehr hilfreich sein. Natürlich haben Computerhoroskope ihre Grenzen. Ein Computer kann eine persönliche, kompetente Beratung, welche die gegebenen Umstände im Gespräch mit den Betroffenen berücksichtigt, nicht ersetzen. Umgekehrt haben Computerhoroskope genau da auch einen Vorteil, da sie mangels konkreter Informationen über das Umfeld ‚neutraler’ sind. Allerdings ist hier noch mehr zu beachten, dass kein noch so gutes Horoskop die Wirklichkeit beschreibt wie sie ist. Es wird immer ein in seinen Möglichkeiten begrenztes, jedoch zugleich wertvolles Hilfsmittel bleiben.

 

 


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